Elsa Langer Kurzbiographie

Die Lebensgeschichte von Elsa (Alisa) Langer

„Sie hat einen Namen, an den sie sich fast nicht mehr erinnert,
einen Namen, den sie lieber vergessen würde,
aber auch einen Namen, der sie beschreiben kann.“
Shimon Vaknin

Elsas Geschichte ist eine Tragödie – ihr Leben ein Triumph. Ihre Kunst, in der ihr ganzes Herz zum Ausdruck kommt, enthüllt den Weg, den Elsa bis heute gegangen ist: vom Verlust ihrer Heimat und Familie hin zu einem Leben, erfüllt mit Glauben und Hoffnung.

Geboren wurde sie um 1932, wahrscheinlich in Österreich, in eine religiöse, jüdische Familie. Ihre Eltern Aaron und Hilda Sokolosky gaben ihr den Namen Hydrilka.

Ihre Kindheitserinnerungen lassen vermuten, dass ihr Vater Aaron als Biologe möglicherweise an der Universität Wien tätig war und nach dem „Anschluss“ mit seiner Familie nach Baden-Baden in Deutschland zog, wo allerdings mit dem Aufstieg von Nazi-Deutschland die Zerrüttung der Familie begann.

1940 gelang es Hydrilkas Eltern ihren Bruder Arnold aus der Gefahrenzone zu schmuggeln, wodurch sie aber auch jeglichen Kontakt zu ihm verloren. Für Hydrilka war dieser Verlust über die Jahre schmerzlich spürbar.

1941 wurde das Haus der Familie von Nazihorden geplündert. Dabei musste Hydrilka von ihrem Versteck unter einem Tisch heraus mit ansehen, wie ihre Großmutter ermordet wurde. Kurze Zeit später wurden die verbliebenen Familienmitglieder, Großvater, Vater, Mutter und Hydrilka ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, von wo sie sofort ins Lager Bergen-Belsen überwiesen wurden, wo Hydrilka an Typhus erkrankte. Beinahe drei Jahre dauerte für Hydrilka und ihre Familie der Schrecken des Holocausts, bis sich ein Hoffnungsschimmer regte. Vielleicht wegen ihres einflussreichen Vaters konnte die Familie ihre Pässe ändern, was ihnen ermöglichte, Bergen-Belsen zu verlassen und nach Südamerika zu emigrieren. Die Reise führte sie zunächst nach Paraguay und von dort nach Uruguay.

Doch die geringe Hoffnung war für Hydrilka und ihre Familie schnell zunichte – Südamerika wurde nämlich der Schauplatz für weiteres Unheil. Um eine angemessene Beschäftigung zu finden, war der Vater nach Chile aufgebrochen. Der anfängliche Briefkontakt verringerte sich, bevor schließlich keine Lebenszeichen mehr in Uruguay eintrafen. Die Verzweiflung über das vergangene Unglück stürzte den Großvater in den Selbstmord. Aus dem Gefühl völliger Hilflosigkeit heraus, legte sich die Mutter zusammen mit Hydrilka auf Eisenbahnschienen, um auch ihrem Leben ein Ende zu machen. Ihre Mutter starb, doch das Mädchen überlebte mit vielen Knochenbrüchen und Narben an Körper und Seele.

1945 wurde die nun etwa elfjährige Hydrilka, die sich noch immer von den Operationen erholte, von einer katholischen Familie, die ihrerseits eine Tochter verloren hatte, adoptiert. Von ihnen erhielt sie den Namen Elsa Shoshana Garcia, nach einem anderen Mädchen, das einige Jahre zuvor gestorben war.

Die Adoptivfamilie versuchte alles, um ihre frühere Identität  auszulöschen. So war es zum Beispiel strengstens verboten, Deutsch zu sprechen und der kleinste „Rückfall“ wurde hart bestraft. Dies war die Geburtsstunde ihrer Kunst. Täglich fand sie kleine Papierzettel, auf die sie die Gesichter ihrer Familie, die sie zu vergessen gezwungen war, zeichnete.

Im Bewusstsein ihres eigenen Gefühls des Fremdseins und ihrer Verwirrung bezüglich ihrer wahren Identität, fühlte sich Elsas sensibler und künstlerischer Geist oft zu den Heimatlosen hingezogen. Ihre Sympathie galt denen, deren Herzen gebrochen waren, ihr Mitgefühl lag bei den zutiefst Verzweifelten.

Trotz ihrer persönlichen Schicksalsschläge, gelang es Elsa das Abitur zu absolvieren und im Anschluss daran die Ausbildung zur Kunstlehrerin abzuschließen. Bis 1965 blieb ein Großteil ihrer Vergangenheit lediglich ein flüchtiger Schatten. Im Gespräch mit einer älteren Kollegin, die Elsas Adoptivfamilie kannte, fand sie schließlich die Bestätigung, dass sie adoptiert worden war.

Erst jetzt im Alter von 33 Jahren konnte Elsa langsam die im Dunkeln liegenden Bruchstücke ihres Lebens in einen Zusammenhang bringen….weshalb es sie immer so sehr berührt hatte, wenn sie jemanden hörte, der Jiddisch sprach….weshalb ihr Kunstlehrer ihren Stil als eher europäisch als südamerikanisch bezeichnet hatte….weshalb der Name „Sokolosky“ ihr immer wieder in den Sinn kam….

Auf der Suche nach den fehlenden Teilen ihrer Erinnerung, kehrte Elsa zu der Gegend in Südamerika zurück, in der sie gelebt hatte. Dort fand sie Menschen, die sich sowohl an sie als auch an ihre Eltern erinnern konnten und ihre Vermutung bestätigten, dass sie Jüdin sei.

In der Hoffnung ihren Bruder Arnold wieder zu finden, kam Elsa 1970 nach Israel. Doch diese Hoffnung wurde enttäuscht. Im Kibbuz, in dem sie in dieser Zeit lebte, gab man ihr einen neuen, diesmal hebräischen Namen: „Alisa“, was soviel wie „heiter, fröhlich“ bedeutet. Obwohl der Name zu dieser Zeit kaum ihrem inneren Zustand entsprach, behielt sie ihn bis zum heutigen Tag.

1971 heiratete Elsa und wurde Mutter zweier Kinder. Als beide Kinder 1978 unter schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen litten, führte diese erneut harte Situation sie zum persönlichen Glauben an den Herrn Jesus Christus. Dies gab ihrem Leben einen Wendepunkt, von dem aus sie im Glauben und in die Bedeutung ihres neuen Namens hineinwuchs.

Nachdem ihr Ehemann 2002 gestorben war, zog sie 2006 zu ihrer Tochter nach Argentinien, von wo sie aber schon drei Jahre später wieder nach Israel zurück kehrte.

Heute lebt Alisa in Haifa und beschäftigt sich mit ihrer Leidenschaft des Malens. Darüber hinaus ergreift sie jede Gelegenheit, um Kunst zu unterrichten. Obwohl ihr jegliche Dokumentation ihrer Kindheit fehlt, ist Alisas Lebensweg unbestritten durch ihre Malerei nach zu vollziehen. So zeigen ihre Bilder den Wandel von Zerstörung und Verzweiflung hin zu Leben und Licht. Ihre Wahl von kräftigen Farben voller Lebens, die ihre gegenwärtigen Werke charakterisieren, gibt Zeugnis von ihrem Sieg.

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